- Frische Ideen und ein alternatives Konzept für die Stellensuche

 

Der Standort schließt 2016. Damit gab der Konzern bekannt, seine Produktion im Zuge der Neuausrichtung zu beenden. Über 100 Mitarbeiter verloren ihren Job. Einer davon Christian St. (52).1989 trat der junge Chemieingenieur seinen Job an. Während seiner Zeit dort wechselte der Firmenname drei Mal.

Christian St. arbeitete 13 Jahre in der chemischen Produktion und anschließend 14 weitere Jahre im Controlling, bildete sich bei der IHK weiter zum technischen Betriebswirt, hatte sein privates Umfeld in Everswinkel, seine Zweitwohnung nahe der Firma. Was tut man nicht alles für einen Job, der Freude macht, Zukunftsaussichten bietet und gute Bedingungen für Entwicklung und Wachstum verspricht. „Veränderungsbereitschaft für mich selbst und im Sinne meiner Firma, das war wichtig!“ Ihn erreichte die Nachricht der Schließung im Urlaub. Er zog Bilanz.

 Mit 50 sollte sein Berufsleben nicht enden. Er hatte den Job geliebt. Vorbei. Und jetzt die Möglichkeit, vielleicht sogar Beruf und Privatleben an einem Ort zu vereinen. Vier seiner Kollegen nutzten die berufliche Neuorientierung und planten den Schritt in die Selbständigkeit, andere wechselten in verschiedene Filialen. Für Christian St. keine Option. Er schloss ab mit dem Gestern und sah Licht am Ende des Tunnels.

Gemeinsam mit PETRAM wurde eine Transfergesellschaft gegründet. Dorthin wechselten 25 Mitarbeiter. Wichtig für alle war unter anderem, nicht arbeitslos sondern arbeitssuchend zu sein. In einem dreimonatigen Kurs ließ Christian St. sich zum Bilanzbuchhalter ausbilden bei der IHK. Die Kosten dafür übernahmen anteilig Transfergesellschaft und die Agentur für Arbeit. Recruiting, Profiling, Bewerbungstraining, Einzelgespräche, Gruppentermine, Stellenrecherche, Teamarbeit – das gesamte Portfolio der Profis kam ihnen zugute. Man stützte sich gegenseitig, alle Beteiligten konnten sich auf eine faire, offene und ehrliche Zusammenarbeit verlassen.

„Neue Ideen kommen nicht von selbst, sie werden herausgefordert. Wir orientieren uns daran, was für den Einzelnen in Zukunft wichtig ist. Dabei begleiten wir den Prozess von der Idee bis zur Umsetzung, entwickeln gemeinsame Ziele und Schritte. Das klappt sehr gut; denn es ist immer die Art und Weise, wie eine Krise bewältigt wird. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Fairness – das sind für mich wichtige Anhaltspunkte meiner Arbeit“ fasst die PETRAM-Beraterin von der Transfergesellschaft Ihr Engagement zusammen.“ Und Christian St. nickt bestätigend. Sein heimlicher Wunsch erfüllte sich: nahe seiner Wohnstätte, bekam er über PETRAM eine gesunde kleine Firma genannt, bei der er sich mit frischem Elan und erfolgreich absolviertem Coaching für eine Stelle im Controlling und Rechnungswesen bewarb. 35 Mitarbeiter sind es – und einer davon ist er.